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Saturday, October 3, 2020

Oder-Spree-Kanal / Schleuse Fürstenwalde / Verlängerung ? / Artikel Märkische Oderzeitung 04.02.2020 / Update Märkische Oderzeitung 18.09.2023

 

Schifffahrt in Fürstenwalde

Ausbau der Schleuse – warum das noch dauern kann

Die Schleuse in Fürstenwalde ist seit Jahren das Sorgenkind am Oder-Spree-Kanal. Seit Jahren wird ihr Ausbau gefordert. Das ist der aktuelle Stand.

18. September 2023

Ein Artikel von Christoph Mann

Die Schleuse in Fürstenwalde besitzt zwei Schleusenkammern. Diese stammen aus den Jahren 1890 und 1914, die maximale nutzbare Länge der Schleuse mit musealem Charme beträgt 67,70 Meter. Für Liebhaber technischer Denkmäler ist die Schleuse sicherlich ein attraktives Ausflugsziel, für die Binnenschiffer dagegen seit Jahren ein Ärgernis.

Die Schleuse ist eine von vier Schleusen auf dem Oder-Spree-Kanal. Während die anderen Schleusen in Kersdorf, Wernsdorf und Eisenhüttenstadt mit Kammerlängen von über 100 Metern ausgestattet sind, wurde der Ausbau der Fürstenwalder Schleuse immer wieder verschoben. Mit viel Geld wurden die Wernsdorfer Schleuse 2006 und die Kersdorfer Schleuse 2013 ertüchtigt, in Fürstenwalde ist bisher noch nichts passiert.

Schubverbände müssen in Fürstenwalde entkoppeln

Längere Schubverbände sind in Fürstenwalde zum Entkoppeln gezwungen. Dadurch wird die Zeit zum Passieren der Schleuse deutlich länger – die Schleuse ist das Nadelöhr der 128,66 Kilometer langen Wasserstraße, die Berlin mit Eisenhüttenstadt und der Oder verbindet. Wertvolle Zeit der Transportunternehmen geht bei Fürstenwalde verloren.

Auch deshalb fand das diesjährige Internationale Oder-Havel-Kolloquium in Fürstenwalde statt. Laut Programm ging es um die Vernetzung der Verkehrsträger links und rechts der Oder, deren Struktur und das Zusammenwirken. Gerhard Ostwald, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Stromgebietes Oder/Havel, sagt gegenüber MOZ.de, dass der politische Rückenwind fehle, wenn es um den Ausbau der Wasserstraßen geht. Besonders im Osten sei das Standing der Schifffahrt schlecht, ganz anders als zum Beispiel am Rhein. So kritisiert Ostwald die Einstufung der Schleuse Fürstenwalde und des gesamten Oder-Spree-Kanals im Bundesverkehrswegeplan in die unterste Kategorie C, quasi unter ferner liefen. Die Vorhaben, die vom Bund in den „Weiteren Bedarf“ eingestuft worden sind, haben kein Planungsrecht und können daher im Zeitraum bis 2030 nicht geplant und realisiert werden. Mit einem baldigen Ausbau der Schleuse sei also nicht zu rechnen.

(www.moz.de)

Monday, August 22, 2016

Schicksalsjahr für den Oder-Spree-Kanal - Brandenburger Finanzminister (Die Linke) im Hafen Eisenhüttenstadt - Nordkammer der Schleuse Fürstenwalde wegen Altersschwäche gesperrt - Artikel Märkische Oderzeitung 12.August 2016

 
Eisenhüttenstadt (MOZ) Der Oder-Spree-Kanal begeht in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen und es könnte gut sein, dass 2016 für die Wasserstraße ein Schicksalsjahr wird. Bei einem Besuch von Finanzminister Christian Görke (Die Linke) an der Schleuse in Fürstenwalde und im Hafen von Eisenhüttenstadt wurde von Mitgliedern des Vereins Weitblick noch einmal hervorgehoben, dass der Ausbau der Schleusen in Fürstenwalde und Kleinmachnow überlebenswichtig sei. "Wenn es in diesem Jahr dazu keine Entscheidung gibt, dann war es das mit dem Kanal", drückte es Dietmar Raschmann, Vorsitzender des Vereins Weitblick, der sich für die Wasserstraße einsetzt, drastisch aus.
 
Wie groß der Handlungsdruck ist, machte er an einem Beispiel deutlich: Die Schleuesen-Nordkammer in Fürstenwalde sei derzeit gesperrt. Neben der Tatsache, dass das Bauwerk nicht mehr die Dimensionen hat, die für die moderne Schifffahrt gefordert sind, kommt nun akute Altersschwäche hinzu. Experten, so Raschmann, schätzen ein, dass die Schleuse nicht mehr viele Jahre funktionsfähig bleiben wird. Die Wirtschaftsstandorte Eisenhüttenstadt und Fürstenwalde wären dann vom transeuropäischen Wassernetz abgeschnitten.
 
Unterstützer: Knut Kirschke und Dagmar Püschel warben bei Christian Görke für den Ausbau der Wasserstraße.         

© MOZ/Stefan Lötsch
 
Raschmann sowie unter anderem auch Eisenhüttenstadts Bürgermeisterin Dagmar Püschel und der Linken Bundestagsabgeordnete Thomas Nord stießen durchaus auf offene Ohren beim Finanzminister. Der versprach, das Thema des Ausbaus durch die Landesregierung noch einmal zu forcieren. Wobei er einschränkte: Das Land sei dafür nicht zuständig, sondern der Bund. Der hatte den Ausbau der beiden Schleusen zwar mit in den neuen Bundesverkehrswegeplan mit aufgenommen, aber unter der Kategorie "erweiterter Bedarf". Das sei zwar ein Erfolg, so Thomas Nord, aber zu wenig. Der Verein Weitblick will, und fand in Görke einen Unterstützer, dass das Projekt in der Prioritätenliste deutlich nach vorne verschoben wird, so dass mit einer realistischen Umsetzung zu rechnen ist. "Ich habe die Befürchtung, dass der Osten abgehängt wird", sagte Görke im Anschluss an eine Beratung.
 
Nicht nur in Fürstenwalde haben Unternehmen, die Waren über die Schifffahrtsstraße transportieren, Befürchtung vor diesem Abgehängtwerden, sondern auch in Eisenhüttenstadt. ArcelorMittal, so machte Jürgen Schmidt als Vertreter des Eisenhüttenstädter Werkes, deutlich, erwartet und geht davon aus, dass die Trimodalität - also die Belieferung über die drei Verkehrswege Straße, Wasser und Schiene - erhalten bleibt. Knut Kirschke, Geschäftsführer der Stadtwirtschaft, betonte ebenfalls, dass die Zukunft des Hafens in Eisenhüttenstadt ohne Kanalsausbau auf dem Spiel steht.

Sunday, March 27, 2016

Hoffnung auf Schleusenausbau (Fürstenwalde) - Meldung Märkische Oderzeitung vom 23.03.2016

(MOZ) Die Hoffnung auf den Ausbau der Schleusen auf der Spree-Oder-Wasserstraße ist nach Vorliegen des neuen Bundesverkehrswegeplan noch nicht gestorben. 188 Millionen Euro sind nach Aussagen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg für den vorgezogenen Ersatz von Schleusen auf dem Kanal vorgesehen, dem das Bundesverkehrsministerium in der Vergangenheit eigentlich keine größere Bedeutung mehr zugemessen hatte. Für insgesamt 30 Millionen Euro hatte der Bund zuvor die Schleusenkammern in Wernsdorf und Kersdorf auf 115 Meter verlängern lassen, damit sie von großen Schubverbänden passiert werden können.
 
Doch nach dem Sinneswandel im Bundesverkehrsministerium wurde die Erweiterung beziehungsweise der Neubau der verbliebenen zwei Nadelöhre in Fürstenwalde und Kleinmachnow auf Eis gelegt. In Fürstenwalde können lediglich Schiffe mit einer Länge von maximal 67 Metern geschleust werden, die Kammer von Kleinmachnow bringt es immerhin auf 82 Meter. "Deshalb haben wir uns gefreut, dass sowohl die Schleuse in Fürstenwalde als auch die in Kleinmachnow im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans enthalten sind", sagte IHK-Experte Robert Radzimanowski.
 
Doch die Freude ist getrübt, denn die Investition wird nicht als vordringlicher, sondern lediglich unter ferner liefen als weiterer Bedarf eingestuft. "Eine Realisierung bis 2030 ist deshalb mit Fragezeichen versehen", sagt der IHK-Mann und hofft, dass die Projekte noch etwas gepusht und eher realisiert werden können. Nun liege es in der Hand der Landesregierung, die Planung für die Schleuseninvestition in Angriff zu nehmen.
 
 
 
Eisenhüttenstadt (MOZ) ) Die Stadt Eisenhüttenstadt begrüßt, dass der Ersatzneubau der Schleuse Fürstenwalde in den Bundesverkehrswegeplan 2030 mit aufgenommen wurde. "Für eine wirtschaftliche Nutzung der gesamten Spree-Oder-Wasserstraße ist die Beseitigung des letzten Schifffahrtsengpasses in der Mitte des Oder-Spree-Kanals unerlässlich", heißt es in einer Pressemitteilung. Für diese Investition haben sich unter anderem regionale Unternehmen - darunter ArcelorMittal Eisenhüttenstadt - aber auch Kommunen, die im Verein "Weitblick" zusammengeschlossen sind, ausgesprochen. Der Bund hatte lange die Meinung vertreten, dass der Oder-Spree-Kanal nicht mehr relevant sei, es deshalb dort keine Investitionen geben soll. Allerdings ist das Projekt unter "weiterer Bedarf" eingeordnet. Die Stadt spricht deshalb von einem Teilerfolg. Bis zu einer Realisierung des Schleusenneubaus seien noch weitere Schritte notwendig.
 

Friday, July 3, 2015

Neuer Anlauf für Schleusenausbau / Wasserstrasse statt Autobahn - Artikel Märkische Oderzeitung 26.Juni 2015

Eisenhüttenstadt (MOZ) Der Verein "Weitblick - Verkehrsinfrastruktur, Wirtschaft, Logistik" will demnächst ein Angebot vorlegen, wie der Ausbau der Schleusen in Fürstenwalde (Oder-Spree) und Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) über eine Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) realisiert werden kann. Das kündigte der Vereinsvorsitzende Dietmar Raschmann bei einer Veranstaltung in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree). Weitblick hat sich zur Aufgabe gesetzt, sich für den Erhalt und Ausbau der Binnenwasserstraßen - unter anderem der Oder-Spree-Wasserstraße - einzusetzen. Der Verein würde unter anderem die Planung für beide Projekte übernehmen, sagte Marc Lenuweit, Manager beim Bauunternehmen Züblin und Mitglied bei Weitblick. Details zu dem Angebot werden demnächst bekanntgegeben.
                
Ohne den Ausbau der Schleuse in Fürstenwalde ist der Transport per Schiff auf der Oder-Spree-Wasserstraße nicht wirtschaftlich. Sowohl Vertreter von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt als auch der Papierfabrik der Pro Group betonten, wie wichtig die Binnenschifffahrt als dritter Transportweg neben der Straße und der Bahn sei.
 
Der Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt (CDU) berichtete derweil, dass man im Bundesverkehrsministerium keine Notwendigkeit für den Ausbau sieht. Das habe ihm der zuständige Abteilungsleiter bei einem Gespräch im Ministerium deutlich gemacht.
 
 




Eisenhüttenstadt (MOZ) Sowohl ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH) als auch die Papierfabrik der Pro Group sehen große Potenziale bei der Binnenschifffahrt. Doch bisher ist der Warentransport über die Oder-Spree-Wasserstraße nicht wirtschaftlich. Die Strecke müsste ausgebaut werden.
       
Momentan spielt weder für ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH) noch für die Papierfabrik der Schiffsverkehr beim Warentransport eine Rolle. 650000 Tonnen Papier werden jährlich im Eisenhüttenstädter Werk produziert. "Die gleiche Menge bekommen wir auch an Altpapier geliefert", sagt Frank Bölling, Leiter Logistik der ProGroup. Der Transport werde zu 98 Prozent über die Straße abgewickelt. Es gebe erste Versuche einer Verlagerung auf die Schiene. Die Wasserstraße ist momentan keine wirtschaftlich sinnvolle Option. Die Voraussetzungen fehlen. Dabei sieht Frank Bölling durchaus große Potenziale, vor allem beim ressourcenschonenden Transport. Fast zwei Drittel der Lieferungen gingen an die immer gleichen Standorte. "Täglich fahren zehn Lkw hintereinander nach Karlsruhe", so Bölling. Die Möglichkeit, zwischen Lkw, Bahn und Schiff zu wählen, sei für das Unternehmen wichtig, sei auch mit ein Grund gewesen, die neue Papierfabrik in Eisenhüttenstadt zu bauen. "Es geht darum, weitere Optionen zu haben", sagte Frank Bölling bei einer Veranstaltung, zu der der CDU-Stadtverband unter anderem Unternehmen eingeladen hatte, um für den Ausbau der Wasserstraße zu werben. Momentan ist der Stand, dass Wasserstraßen im Osten abgestuft werden sollen. Ein dringend erforderlicher Ausbau zum Beispiel der Schleuse in Fürstenwalde wird deshalb vom Bund nicht mehr finanziert.
 

Auch Ellen Finke, Leiterin Logistik bei AMEH sieht die Tri-Modalität - Wasser, Schiene, Straße - als wichtigen Standortfaktor. Eisenhüttenstadt sei im europaweiten Verbund des Konzerns dem Wettbewerb ausgesetzt. Dass man da in Eisenhüttenstadt erfolgreich unterwegs ist, sieht man unter anderem daran, dass der kleine Hochofen wieder in Betrieb gegangen ist. "Wir beliefern jetzt auch andere Werke im Verbund", sagte Ellen Finke. Auf der anderen Seite hat sich der Rohstoffzulauf erhöht.
 
82 Prozent der AMEH-Transport werden momentan über die Schiene abgewickelt. Unabhängig davon, dass der Bahntransport zum Beispiel durch Streiks Unsicherheiten ausgesetzt ist, ist dort eine Überlastung festzustellen. 15 Prozent wird über die Straße abgewickelt. Allerdings sind die Straßen jetzt schon überlastet. Prognosen sehen für die kommenden Jahre einen steigenden Lkw-Verkehr voraus. Außerdem sind die Tonnagen, die mit einem Brummi transportiert werden können, gering.
Ellen Finke kann sich zum Beispiel vorstellen, die fertigen Brammen künftig mit dem Schiff auszuliefern. Gleiches gilt für das Warmband für andere Werke und Kunden. "Ich hätte gerne die Trimodalität. Aber diese Möglichkeit habe ich nicht, aus wirtschaftlichen Gründen."
Welche Entlastung der Güterverkehr über Schiff für die Straße bedeuten könnte, macht ein Vergleich deutlich: Große Schiffe können 80 Lkw-Ladungen transportieren. Doch genau da liegt das Problem. Moderne Binnenschiffe haben eine gewisse Länge, für die zum Beispiel die 120 Jahre alten Schleusenkammern in Fürstenwalde nicht ausgelegt sind. Erst nach einem Schleusenausbau können diese Schiffe eingesetzt werden, wäre damit der Transport wirtschaftlich.
 
Durch die Blockade des Ausbaus durch das Bundesverkehrsministerium fürchtet Marina Marquardt, Fraktionsvorsitzende der CDU im Eisenhüttenstädter Stadtparlament, um die Zuskunftsfähigkeit des Eisenhüttenstädter Industriestandortes. "Der Osten wird abgeschnitten", sagte sie. Um das erneut ins Bewusstsein zu bringen und politischen Druck aufzubauen, hatte der CDU-Stadtverband zu der Veranstaltung eingeladen. Gekommen waren auch Vertreter des Vereins Weitblick und der IHK.
 
 

Friday, April 24, 2015

Schleusenausbau droht endgültig zu scheitern - Artikel in der Märkischen Oderzeitung über die Streichung des Oder-Spree-Kanals aus dem Europäischen Wasserstrassennetz vom 22.04.2015


Frankfurt (Oder) (MOZ) Mit dem Mut der Verzweiflung kämpfen Politiker, Unternehmer und Interessenverbände um den Ausbau von zwei Schleusen auf dem Teltowkanal und der Spree-Oder-Wasserstraße. Alle Versuche, das Bundesverkehrsministerium zum Umdenken zu bewegen, sind bislang gescheitert.

Die Zeichen der Zeit kann Dietmar Raschmann durchaus interpretieren. Seit Jahren kämpft Raschmann vom Verein Weitblick darum, die mit den Schleusen in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) und Fürstenwalde (Oder-Spree) letzten verbliebenen Nadelöhre auf Teltow- und Oder-Spree-Kanal zu beseitigen. Doch das Bundesverkehrsministerium bleibt seiner Linie treu und hat beide Wasserstraßen - zumindest aus wirtschaftlicher Perspektive - abgeschrieben.

Quasi über Nacht, denn bis dato hatte weder den Teltowkanal noch die Oder-Spree-Wasserstraße jemand ernsthaft in Frage gestellt. Für insgesamt 30 Millionen Euro ließ der Bund die Schleusenkammern in Wernsdorf und Kersdorf auf 115 Meter verlängern, damit sie von großen Schubverbänden passiert werden können. Doch zwischen Wernsdorf und Kersdorf liegt die 1891 gebaute Schleuse in Fürstenwalde, in die nur maximal 67 Meter lange Schiffe passen. Weiter westlich kommt der zweite Flaschenhals - Kleinmachnow kann nur höchstens 82 Meter-Schiffe durchschleusen.

Raschmann will die Bundesregierung mit ihren eigenen Worten zum Einlenken bringen. "Vor vier Jahren betonte das Ministerium, dass Investitionen in die Infrastruktur für die Schifffahrt erst dann Sinn machen, wenn Streckenrelationen durchgängig fertiggestellt und uneingeschränkt nutzbar sind'", wundert sich Raschmann über den Sinneswandel in Berlin. Dort argumentiert man mit zu geringen Tonnagen, die auf den Kanälen von A nach B befördert würden. Nach Ansicht von Raschmann eine Milchmädchenrechnung. Denn würden die letzten beiden Engpässe modernisiert und heutigen Gegebenheiten angepasst, könnten seinen Erhebungen zufolge 4,5 Millionen Tonnen Güter pro Jahr zusätzlich vor allem von der Straße auf das Wasser verlagert werden.

Vor eineinhalb Jahren unterbreitete Unternehmen und Politiker aus Ostbrandenburg dem Bund sogar ein verlockendes Angebot. "Sonst meckern nur alle, wir haben Lösungen aufgezeigt", begründet Raschmann. Für einen symbolischen Euro wollte Weitblick e.V. die alten Schleusen übernehmen, mit eigenen Mitteln - immerhin fast 100 Millionen Euro - auf 130 Meter ausbauen und sie anschließend wieder dem Bund zurückgeben. "Wir wollten ein Pilotprojekt starten, um zu zeigen, dass Infrastrukturprojekte zu vereinbarten Preisen und Terminen fertigzustellen sind." Firmen wie die FLG Handelsgesellschaft aus Fürstenwalde, Zementproduzenten oder ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt unterstützen das Vorhaben. Eine Petition erbrachte bis jetzt 41 000 Unterschriften - 50 000 wären nötig, um im Bundestag Gehör zu finden.

Doch die neuen Nachrichten aus Berlin verheißen nichts Gutes: Auf Antrag Deutschlands seien in Brüssel beide Kanäle aus dem transeuropäischen Wasserstraßennetz gestrichen worden - damit sind Investitionen nicht mehr förderfähig. Inzwischen sei auch die schon erteilte Baugenehmigung für den Ausbau der Schleuse in Kleinmachnow aufgehoben. Rettender Strohhalm könnte eine vom Bund vorgeschlagene öffentlich-private Partnerschaft sein. Bis zum Sommer will Raschmann ein Angebot abgeben und versucht, über die politische Schiene Druck zu machen. Auf dem Landesparteitag der CDU am kommenden Sonnabend soll die Landtagsfraktion zum Gegensteuern aufgefordert werden, damit dem Osten nicht das Wasser abgegraben wird.

http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1384897

Sunday, August 24, 2014

Petition "Für die Zukunft der ostdeutschen Wasserstraßen" - RBB online (27.05.2014)













Tonnenweise Schrott, Getreide und Baustoffe werden täglich auf Brandenburgs Wasserwegen transportiert. Doch es gibt ein Problem: Besonders die Wasserstraßen in Ostbrandenburg sind teilweise alt und marode, besonders in Fürstenwalde und Umgebung. Jetzt soll eine Petition dafür sorgen, dass der Bundestag sich mit dem Thema beschäftigt. Unterstützung darf aber auch aus Australien und Kanada kommen.

Von Eva Kirchner

Mehr als 35.000 Menschen fordern den Ausbau der Ostbrandenburger Wasserstraßen und ihren Erhalt als sauberen Transportweg. 35.000 Menschen haben bereits die Petition "Für die Zukunft der ostdeutschen Wasserstraßen" bereits unterschrieben. Denn hier werden jährliche hunderttausende Tonnen Papier, Schrott, Getreide oder auch Baustoffe aus Eisenhüttenstadt und Fürstenwalde verschifft. Noch, denn einige Abschnitte sind marode, Unternehmen ziehen sich aus der Region zurück.

Gemeinsam mit dem Verein Weitblick fordern die Unterzeichner nun, dass auch künftig auf Oder und Spree Frachtschiffe unterwegs sind. Schiffe, die Güter aus heimischen Firmen in alle Welt bringen. Dafür unterschreiben können sie noch bis Samstag – dann geht die Petition online.

"Der Ausbau widerspricht jeder Logik"

Fürstenwaldes Bürgermeister Hans-Ulrich Hengst kann es nicht oft genug sagen – jede  Unterschrift hilft, den Wirtschaftsstandort Fürstenwalde zu sichern. Egal ob handschriftlich oder ab kommender Woche im Internet. "Wir sind da zuversichtlich, denn es darf jeder mit abstimmen. Es gibt keine Altersbegrenzung, keine Wohnortbegrenzung. Wir können auch Stimmen aus Australien und Kanada oder aus dem bayerischen Wald mit werten."

Insgesamt braucht die Petition 50.000 gültige Unterschriften. Dann muss sich der Bundestag mit dem Thema Erhalt und Ausbau der ostdeutschen Wasserstraßen erneut beschäftigen. Derzeit gibt es hier einen Ausbaustopp. Der gilt auch für den Oder-Spree-Kanal und die über 100 Jahre alte Fürstenwalder Schleuse. Und das, obwohl die Schleusen davor und dahinter längst ausgebaut wurden. Für den Fürstenwalder Bürgermeister ist das nicht nachvollziehbar: "Kersdorf und Wernsdorf hat man schon mit zweistelligen Millionenbeträgen erweitert, damit große Kähne überhaupt durchkommen. Nun den Pfropfen in der Mitte zuzumachen - das widerspricht doch jeder Logik."

Landwirte verlieren Geld und Arbeitsplätze

Und es schreckt Unternehmen ab, die in Fürstenwalde investieren möchten. Jüngstes Beispiel – die FGL Fürstenwalder Futtermittel-Getreide-Landhandel GmbH. Statt an der Spree wird das Geld nun anderswo ausgegeben, so FGL-Geschäftsführer Martin Bock:
"Es ist eine Investition von neun Millionen Euro, die wir nun am Standort Schwedt vornehmen und nicht in Fürstenwalde. Und das, weil der Wasserweg hier nicht mehr sichergestellt ist."

Knapp 500.000 Tonnen Getreide und Futtermittel verschifft das Unternehmen jährlich von Fürstenwalde aus. Getreide, das auf Ostbrandenburger Feldern wächst und geerntet wird. Deshalb ist vom aktuellen Ausbaustopp nicht nur die FGL betroffen, sondern auch zahlreiche Bauern in der Region, so Martin Bock: "Wenn die Landwirte keine leistungsfähige Logistik haben, dann verlieren sie Geld und dann heißt das: Verlust von Arbeitsplätzen."

Doch soweit soll es  nicht kommen. Martin Bock ist zuversichtlich, dass genügend Unterschriften zusammenkommen und seine Erwartungen in Richtung Politik sind entsprechend groß. Bis zum 1. Juni kann die Petition zum Beispiel noch im Fürstenwalder Rathaus oder auch im Tourismusbüro werden. Dort liegen die entsprechenden Listen aus. Ab dem 1. Juni geht das dann nun noch im Internet, sechs Wochen lang. Dann müssen die 50.000 komplett sein.

Beitrag von Eva Kirchner


http://www.rbb-online.de/wirtschaft/beitrag/2014/05/ostdeutsche-wasserstrassen-petition-fuerstenwalde.html

Saturday, December 7, 2013

Fürstenwalder Schleuse bremst Investitionen - Artikel in der Märkischen Oderzeitung vom 01.11.2013

Und Bettina Winkler Fürstenwalde (MOZ) Die unsichere Zukunft der Fürstenwalder Schleuse zeigt erste Auswirkungen. Der Agravis-Konzern hat für das Futtermittelwerk FGL in Fürstenwalde einen Investitionsstopp verhängt. Unterdessen werden weiter Unterschriften für eine Bundestags-Petition gesammelt.

Beladen mit 703 Tonnen Tritikale-Getreide liegt das Frachtschiff AQUA in der Schleusenkammer in Fürstenwalde und wartet, dass die Fahrt Richtung Niederrhein weiter gehen kann. Binnenschiffer Christian Bösefeld kennt sich auf der Spree-Oder-Wasserstraße aus. Regelmäßig fährt er die FGL GmbH an. "Wir sind zwei bis dreimal im Monat im Fürstenwalder Hafen und bringen Getreide, Sojaschrot und Streusalz", sagt der 31-Jährige aus Halberstadt. Würde die Schleuse ausgebaut, könnte er sich ein größeres Schiff zulegen, sagt Bösefeld.
 
Wie der Schiffer, so muss auch die regionale Wirtschaft mit dem veralteten Zustand der Schleuse leben und teilweise Alternativen auf dem Landweg wählen. "Wir würden gerne mehr als eine Million Tonnen Güter pro Jahr auf dem Wasser transportieren", sagte der FGL-Geschäftsführer Martin Bock am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Das entspreche der Ladung von etwa 40000 Lastwagen.
Beim gegenwärtigen Ausmaß der Schleuse müssen lange Schubverbände aufwändig entkoppeln, um durch die Engstelle zu kommen. Bock spricht von einem Zeitverlust von bis zu drei Stunden, der dadurch entsteht. Moderne Schiffe passen gar nicht mehr durch die Kammern. Diese Lage hat die Agravis AG, zu der das FGL-Werk gehört, zu einem Umdenken veranlasst. Nachdem in der Vergangenheit etwa 70 Millionen Euro nach Fürstenwalde geflossen seien, habe der Konzern nun entschieden, nicht mehr zu investieren. Bock malt sogar das Schreckgespenst an die Wand, Agravis könnte die Stadt verlassen.
 
Bürgermeister Hans-Ulrich Hengst (parteilos) verwies auf weitere betroffene Unternehmen aus der Stadt wie den Windturmteile-Hersteller Reuther. Zudem hätten sich Verkaufsgespräche über eine städtische Fläche in der Lindenstraße zerschlagen. "Der Interessent hat die Verhandlungen unterbrochen, weil er den Oder-Spree-Kanal nutzen wollte", sagte er.
Der von Unternehmern gegründete Verein Weitblick hat für seine Petition an den Bundestag, damit dieser sich mit dem Thema beschäftigt, mittlerweile mehr als 10000 Unterschriften zusammen. Nötig sind aber 50000. Mitstreiter wie die Landtagsabgeordnete Elisabeth Alter (SPD) wollen nun auch an Schulen und in Einkaufszentren sammeln. Dabei setzt sie auf ehrenamtliche Helfer wie Wolfgang Schmidt. Der ehemalige Schleusen-Mitarbeiter betreut den Info-Stand, an dem um Unterschriften geworben wird. Laut Bock gibt es auch von den deutschlandweiten anderen Agravis-Standorten umfangreiche Unterstützung.

















Voll beladen: Binnenschiffer Christian Bösefeld (l.) und Steuermann Dietrich Barsch passieren mehrmals im Monat die Fürstenwalder Schleuse. Das Frachtschiff hat 703 Tonnen Tritikale aus dem Getreidesilo der FGL GmbH an Bord.

http://www.moz.de/details/dg/0/1/1209980/